Deutsche Quarter Hoorse Association

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Artikel von Petra Roth-Leckebusch

 

Petra Roth-Leckebusch hat uns freundlicher Weise einen von Ihr verfassten interessanten Artikel zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

 

 

Petra Roth-Leckebusch

Fohlen und Jungpferdeaufzucht beim Quarter Horse

Bei uns ist es üblich die Fohlen mit ca. 6 Monaten im Herbst abzusetzen. Das tut man in der Regel um die Stuten zu schonen, die meist dann schon wieder tragend sind.

Durch das Absetzten entzieht man dem schnell wachsenden Jungpferd die gehaltvolle Muttermilch: In der Natur würde das Fohlen zwischen 8 und 15l Stutenmilch am Tag zu sich nehmen. Diese Milch ist sehr gehaltvoll.

Nach dem Absetzen muss man dem Fohlen ausreichend Futter anbieten, um die Inhaltsstoffe der Stutenmilch zu ersetzen.

Ein gesundes Fohlen erreicht, bei guter Aufzucht, in den ersten 12 Monaten 80% seines Längenwachstums. Muss es hungern in der Aufzucht, so ist das häufig schon der erste Schritt zu Schäden am Skelett.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen:

ein QH Fohlen mit 6 Monaten hat einen Energiebedarf von ca. 65 MJ

– das entspricht exakt dem Energiebedarf eines ausgewachsenen Quarter Horse mit 65 MJ !

Das Fohlen braucht 540g Rohprotein/Tag

– das erwachsene Quarter Horse braucht erheblich weniger, nämlich bei leichter Arbeit nur

400g Rohprotein/Tag.

Das erwachsene QH kann 10-14kg Heu pro Tag fressen und damit seinen Energiebedarf mehr als gut decken – auch ohne Kraftfutter (10kg Heu enthalten ca. 60-80 MJ Energie)

Der Darmtrakt des Fohlens hat einfach noch nicht genug Platz um diese Menge Heu aufzunehmen. Auch wenn es den ganzen Tag frässe könnte es nur ca. 3-5 kg Heu aufnehmen damit nähme es 24 – 40 MJ Energie auf und wäre damit erheblich unterversorgt!

Sein Bauch wäre zwar voll, aber sein Wachstum würde gebremst, weil es nicht genug Energie zu sich nehmen konnte. Die Anfälligkeit für Krankheiten nimmt im Mangel ebenfalls zu.

Die Lücke im Bedarf kann man zwischen dem 6. Und 12. Monat nur durch eine Menge Kraftfutter schließen!

Ideal ist ein gutes Aufzuchtfutter, das bereits Mineralien und Vitamine bedarfsgerecht enthält. Die Menge wird vom 6.-10. Monat kontinuierliche gesteigert.

Man beginnt beim Absetzen mit ca. 2,5kg/Tag und steigert die Menge langsam auf ca. 5 kg/Tag.

Damit ist die Fütterung eines Absetzers deutlich teurer, als das Futter für ein ausgewachsenes Pferd!

Bei viel Bewegung und in kalten Wintern brauchen sie mehr, bei warmen Wetter weniger.

Gutes Heu und frisches Wasser sollte immer auch zur freien Verfügung bereit stehen.

„Das Auge des Herren füttert das Vieh.“ Lautet ein alter Bauernspruch, das soll heißen man muss genau beobachten wie sich die Tiere entwickeln und die Fütterung entsprechend anpassen.

Man soll die Pferde ausreichend zu versorgen, aber nicht mästen, sie sollen gut wachsen können, aber nicht in die Höhe schießen.

Regelmäßige Wurmkuren sind besonders wichtig im ersten Lebensjahr. Die erste Wurmkur wird eine Woche nach der Geburt gegeben, dann ca. alle 6-8 Wochen – also ca. 6x im ersten Lebensjahr. Später reichen 4 Wurmkuren im Jahr.

Die regelmäßige Begutachtung durch den Schmied ist wichtig, damit man Fehlentwicklungen im Huf innerhalb der ersten Monate noch entgegenwirken kann.

Außer ausreichend und passendem Futter braucht ein Jungpferd Spielgefährten und viel Bewegung. Idealerweise auf unterschiedlichen Böden.

Harter Boden fördert die Bildung von einem gesunden und harten Huf. Daher sollte der Offenstall oder Laufstall eines Pferdes, sowohl weichen Untergrund, also einen eingestreuten Bereich zum Ruhen und Schlafen, als auch Naturboden und harten Boden, wie z.B. Pflaster enthalten. Die Mutterstute sollte zusammen mit anderen Mutterstuten und deren Fohlen auf der Weide stehen, wenn es der Platz und die Futtergrundlage möglich machen, gerne auch 24 Stunden. Gesunde Fohlen sind unempfindlich gegen Regen und Kälte.

Von April – Oktober können sie mit ihrer Mutter draußen bleiben.

Die Fohlen stehen bei uns im ersten Winter im Laufstall und kommen regelmäßig in die Reithalle zum Spielen und Toben. Ein altes Pferd als Gesellschaft gibt den Fohlen Sicherheit.

Als Jährlinge gehen unsere Jungpferde nach Geschlechtern getrennt 24 Stunden auf die Sommerweide in Herden mit Pferden aller Altersstufen. Dort lernen sie die Pferdesprache und in einer großen Herde zurecht zu kommen. Als Futter genügt ihnen gutes Weidegras und Mineralfutter. Auch Zwei und Dreijährig bleiben sie bei uns im Winterhalbjahr im Offenstall und in der Herde, dort reicht ihnen zur weiteren Aufzucht gutes Heu satt und Mineralfutter.

Ideal sind großflächige Weideflächen, die ohne Spritzmittel und Kunstdünger bewirtschaftet werden und eine Vielfalt an Gräsern und Kräuter bietet. Bäume bieten im Sommer hervorragenden Schutz gegen die Sonne.

Richtig ausgewachsen ist ein Pferd erst mit fünf bis sechs Jahren. Mit 8 – 15 Jahren ist es auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit.

Bei guter Haltung und Fütterung kann es noch mit 25 Jahren einsatzfähig bleiben. Wobei ab dem 20 Lebensjahr die Kraft meist beginnt nachzulassen.

Eine gute Aufzucht und Haltung und später ein durchdachtes Training halten das Reitpferd lange gesund.